Blutegeltherapie, wann ist sie sinnvoll?
Schmerzende Knie, steife Finger oder ein entzündetes Gelenk können den Alltag stark einschränken.
Die Blutegeltherapie bei Arthrose und Arthritis wird vor allem bei Gelenkschmerzen eingesetzt.

Was bei Arthrose und Arthritis im Gelenk passiert
Arthrose und Arthritis werden oft in einem Atemzug genannt, meinen aber nicht dasselbe.
Bei Arthrose nutzt sich der Gelenkknorpel ab. Das Gelenk kann schmerzen, anschwellen und weniger beweglich werden. Häufig betroffen sind Knie, Hüfte, Finger und Daumensattelgelenk. Entzündliche Reizungen können dazukommen, auch wenn Arthrose nicht primär eine entzündliche Systemerkrankung ist.
Bei Arthritis steht die Entzündung im Vordergrund. Sie kann durch Autoimmunprozesse, Infektionen oder Stoffwechselstörungen entstehen. Beispiele sind rheumatoide Arthritis oder Gichtarthritis. Hier ist eine genaue medizinische Abklärung besonders wichtig, weil unbehandelte Entzündungen Gelenke dauerhaft schädigen können.
Blutegel können weder Knorpel wiederaufbauen noch eine Autoimmunerkrankung heilen. Der mögliche Nutzen liegt vor allem in der Schmerzlinderung, der lokalen Durchblutungswirkung und der Beeinflussung entzündlicher Prozesse im behandelten Bereich.
Wie Blutegel wirken können
Medizinische Blutegel geben beim Saugen Speichelstoffe in die Haut ab. Diese Stoffe verhindern, dass das Blut sofort gerinnt. Genau dieser Effekt ist ein Grund, warum die Methode medizinisch interessant ist.
Zu den bekannten Bestandteilen des Blutegelspeichels zählen unter anderem gerinnungshemmende, entzündungshemmende und schmerzlindernde Substanzen. Der bekannteste Stoff ist Hirudin. Daneben enthält der Speichel weitere Wirkstoffe, die die lokale Durchblutung beeinflussen und Botenstoffe der Entzündung hemmen.
Gerinnungshemmung
Die Bissstelle blutet nach der Behandlung noch einige Stunden nach. Das ist gewollt.
Lokale Durchblutung
Das Gewebe rund um die behandelte Stelle wird stärker durchblutet.
Reizhemmung und Schmerzlinderung
Es kommt zu weniger Schmerz und zur besseren Beweglichkeit.
Entzündungsmodulation
Bestimmte Speichelbestandteile können entzündliche Reaktionen lokal beeinflussen.
Anwendungsgebiete für Blutegel sind:
Arthrose
Arthritis
Tinnitus
entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparates
Bandscheibenvorfälle
chronisch-venöse Erkrankungen, z.B. Krampfadern, Thrombophlebitis

Wie eine Behandlung abläuft
Bei einer Blutegelbehandlung kommen gezüchtete medizinische Blutegel zum Einsatz, nicht Tiere aus der Natur. Die Blutegel werden nach der Anwendung nicht wiederverwendet.
Vor der Behandlung wird geprüft, ob die Methode überhaupt geeignet ist. Dazu gehören Fragen nach Medikamenten, Blutungsneigung, Allergien, bestehenden Erkrankungen und dem Zustand der Haut.
Der Ablauf ist wie folgt:
Die Haut wird gereinigt, aber nicht mit stark riechenden Mitteln vorbereitet.
Die Blutegel werden an festgelegten Punkten rund um das Gelenk angesetzt.
Sie saugen sich fest und fallen nach einiger Zeit von selbst ab.
Die Bissstellen werden steril verbunden.
Die Nachblutung wird beobachtet und der Verband später gewechselt.
Während des Ansetzens kann ein kurzes Zwicken auftreten. Die eigentliche Besonderheit beginnt nach dem Abfallen der Tiere: Die Wunden bluten nach. Das kann mehrere Stunden dauern und ist Teil der Wirkung.
Nach der Behandlung sollte das Gelenk geschont werden. Sport, Sauna, Alkohol und starkes Kratzen an den Bissstellen sind zunächst ungünstig. Juckreiz in den folgenden Tagen kann vorkommen.

Risiken und Nebenwirkungen
Der wichtigste Punkt ist die Nachblutung. Sie ist erwartet, und gewünscht und kann bis zu 24h dauern.
Mögliche Nebenwirkungen sind:
längere Nachblutung
Blutergüsse und Schwellung
Juckreiz, Rötung oder Hautreizung
kleine Narben an den Bissstellen
allergische Reaktionen
Infektionen der Wunde
Kreislaufbeschwerden
selten Blutarmut bei stärkerem Blutverlust
Nicht geeignet ist die Methode meist bei:
Blutgerinnungsstörungen
Einnahme starker Blutverdünner
schwerer Blutarmut
ausgeprägter Immunschwäche
schlecht heilenden Wunden
schweren Durchblutungsstörungen
bekannter Allergie auf Blutegelbestandteile
Schwangerschaft
Auch bei Diabetes, Hauterkrankungen oder sehr empfindlicher Haut braucht es eine besonders sorgfältige Abwägung.


Sehr cool und aufschlussreich, habe es selbst wegen Rückenschmerzen, bei Frau Perrone ausprobiert und es war eine sehr amüsante Erfahrung :D plus die Schmerzen waren weg.