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Blutegeltherapie, wann ist sie sinnvoll?

23. Juli
3 Min. Lesezeit

Schmerzende Knie, steife Finger oder ein entzündetes Gelenk können den Alltag stark einschränken.


Die Blutegeltherapie bei Arthrose und Arthritis wird vor allem bei Gelenkschmerzen eingesetzt.


Close-up of a medical leech on skin near a knee joint.
Medizinische Blutegel werden gezielt an schmerzhaften Gelenkregionen angesetzt.

Was bei Arthrose und Arthritis im Gelenk passiert


Arthrose und Arthritis werden oft in einem Atemzug genannt, meinen aber nicht dasselbe.


Bei Arthrose nutzt sich der Gelenkknorpel ab. Das Gelenk kann schmerzen, anschwellen und weniger beweglich werden. Häufig betroffen sind Knie, Hüfte, Finger und Daumensattelgelenk. Entzündliche Reizungen können dazukommen, auch wenn Arthrose nicht primär eine entzündliche Systemerkrankung ist.


Bei Arthritis steht die Entzündung im Vordergrund. Sie kann durch Autoimmunprozesse, Infektionen oder Stoffwechselstörungen entstehen. Beispiele sind rheumatoide Arthritis oder Gichtarthritis. Hier ist eine genaue medizinische Abklärung besonders wichtig, weil unbehandelte Entzündungen Gelenke dauerhaft schädigen können.


Blutegel können weder Knorpel wiederaufbauen noch eine Autoimmunerkrankung heilen. Der mögliche Nutzen liegt vor allem in der Schmerzlinderung, der lokalen Durchblutungswirkung und der Beeinflussung entzündlicher Prozesse im behandelten Bereich.


Wie Blutegel wirken können


Medizinische Blutegel geben beim Saugen Speichelstoffe in die Haut ab. Diese Stoffe verhindern, dass das Blut sofort gerinnt. Genau dieser Effekt ist ein Grund, warum die Methode medizinisch interessant ist.


Zu den bekannten Bestandteilen des Blutegelspeichels zählen unter anderem gerinnungshemmende, entzündungshemmende und schmerzlindernde Substanzen. Der bekannteste Stoff ist Hirudin. Daneben enthält der Speichel weitere Wirkstoffe, die die lokale Durchblutung beeinflussen und Botenstoffe der Entzündung hemmen.



  • Gerinnungshemmung


Die Bissstelle blutet nach der Behandlung noch einige Stunden nach. Das ist gewollt.


  • Lokale Durchblutung


Das Gewebe rund um die behandelte Stelle wird stärker durchblutet.


  • Reizhemmung und Schmerzlinderung


Es kommt zu weniger Schmerz und zur besseren Beweglichkeit.


  • Entzündungsmodulation


Bestimmte Speichelbestandteile können entzündliche Reaktionen lokal beeinflussen.


Anwendungsgebiete für Blutegel sind:


  • Arthrose

  • Arthritis

  • Tinnitus

  • entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparates

  • Bandscheibenvorfälle

  • chronisch-venöse Erkrankungen, z.B. Krampfadern, Thrombophlebitis



Eye-level view of medical leeches in a clear treatment container.
Für seriöse Anwendungen werden gezüchtete medizinische Blutegel verwendet.

Wie eine Behandlung abläuft


Bei einer Blutegelbehandlung kommen gezüchtete medizinische Blutegel zum Einsatz, nicht Tiere aus der Natur. Die Blutegel werden nach der Anwendung nicht wiederverwendet.


Vor der Behandlung wird geprüft, ob die Methode überhaupt geeignet ist. Dazu gehören Fragen nach Medikamenten, Blutungsneigung, Allergien, bestehenden Erkrankungen und dem Zustand der Haut.


Der Ablauf ist wie folgt:


  1. Die Haut wird gereinigt, aber nicht mit stark riechenden Mitteln vorbereitet.

  2. Die Blutegel werden an festgelegten Punkten rund um das Gelenk angesetzt.

  3. Sie saugen sich fest und fallen nach einiger Zeit von selbst ab.

  4. Die Bissstellen werden steril verbunden.

  5. Die Nachblutung wird beobachtet und der Verband später gewechselt.


Während des Ansetzens kann ein kurzes Zwicken auftreten. Die eigentliche Besonderheit beginnt nach dem Abfallen der Tiere: Die Wunden bluten nach. Das kann mehrere Stunden dauern und ist Teil der Wirkung.


Nach der Behandlung sollte das Gelenk geschont werden. Sport, Sauna, Alkohol und starkes Kratzen an den Bissstellen sind zunächst ungünstig. Juckreiz in den folgenden Tagen kann vorkommen.




Wide-angle view of a person resting with a bandaged knee after leech therapy.
Nach der Anwendung wird die Bissstelle sauber verbunden und beobachtet.

Risiken und Nebenwirkungen


Der wichtigste Punkt ist die Nachblutung. Sie ist erwartet, und gewünscht und kann bis zu 24h dauern.


Mögliche Nebenwirkungen sind:


  • längere Nachblutung

  • Blutergüsse und Schwellung

  • Juckreiz, Rötung oder Hautreizung

  • kleine Narben an den Bissstellen

  • allergische Reaktionen

  • Infektionen der Wunde

  • Kreislaufbeschwerden

  • selten Blutarmut bei stärkerem Blutverlust



Nicht geeignet ist die Methode meist bei:


  • Blutgerinnungsstörungen

  • Einnahme starker Blutverdünner

  • schwerer Blutarmut

  • ausgeprägter Immunschwäche

  • schlecht heilenden Wunden

  • schweren Durchblutungsstörungen

  • bekannter Allergie auf Blutegelbestandteile

  • Schwangerschaft


Auch bei Diabetes, Hauterkrankungen oder sehr empfindlicher Haut braucht es eine besonders sorgfältige Abwägung.




Close-up view of clean wound dressings beside a treatment tray for leech therapy.
Gute Nachsorge senkt das Risiko für Blutungen und Infektionen.



 
 
 

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1 Kommentar


Moritz Weehr
Moritz Weehr
23. Juli

Sehr cool und aufschlussreich, habe es selbst wegen Rückenschmerzen, bei Frau Perrone ausprobiert und es war eine sehr amüsante Erfahrung :D plus die Schmerzen waren weg.

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